Zu hart trainiert: Zahl der Fitness-Opfer steigt.
So die Schlagzeile auf der Titelseite von 20minuten vom 19. Juli 2017.

Pro Jahr gibt es laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu durchschnittlich 4‘290 Verletzte beim Fitnesstraining. Im selben Zeitraum gab es in der Schweiz im Durchschnitt 81‘580 Verletzte pro Jahr im Fussballtraining. Und rund viermal mehr Verletzte beim Wandern als im Fitnesstraining – nämlich 20‘510 pro Jahr.(1) In der Schweiz trainieren laut des Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenter Verbands (SFGV) etwa 750 000 Menschen in einem Fitness Center. Das bedeutet circa 0.6 Prozent davon verletzen sich. Und laut bfu ist die steigende Anzahl an Trainierenden hauptverantwortlich für die Zunahme an Verletzten im Fitnesstraining.

Und nicht nur in absoluten Zahlen ist Fitnesstraining vergleichsweise sicher. Bei Läufer gibt es etwa 10 Verletzungen pro 1000 Trainingsstunden. (2) Während es bei Bodybuilding nur 0.24 pro 1000 Stdunden (3) und bei CrossFit nur 3.10 pro 1000 Stunden Training sind. (4) Das Bodybuilding Training entspricht wohl am ehesten dem Training, wie es in der Regel in guten Fitness Center durchgeführt wird – langsam und mit einem submaximalen Gewicht. Was nicht heissen soll, das explosives Training mit Gewichten per se gefährlich ist.

Denn selbst das Gewichtheben – schnell Bewegung mit hohen Gewichten – gilt als sicher im Vergleich mit anderen Sportarten. Auch für Jugendliche. In einer englischen Studie hat Kinderfussball 6.2 Verletzungen pro 100 Stunden spielen. Krafttraining nur 0.0035 pro 100 Stunden und Gewichtheben sogar nur 0.0017 pro 100 Stunden Training.(5)

Auch die Höhe des Gewichts ist nicht einfach ein Risikofaktor. Es ist eine Frage des richtigen Trainingsaufbaus. Trainieren mit 100 Kilo oder mehr ist nicht automatisch gefährlich, wenn man (oder Frau) in den richtigen Schritten dahin gelangt. Nicht zu schnell steigern, sondern dem Körper Zeit geben sich anzupassen.(6)

Krafttraining hat sich sogar als sehr effiziente Verletzungsprophylaxe bei anderen Sportarten herausgestellt. Mit Krafttraining werden akute Sportverletzungen auf einen Drittel und Überlastungsschäden auf etwa die Hälfte reduziert. (7) Also müssen Fussballspieler, auch Jugendliche, Krafttraining betreiben um die hohe Verletzungsrate zu senken. Das gilt auch für Tennis, Basketball, Joggen und andere.

Der grosse Nutzen von Fitnesstraining (siehe Beitrag Exercise is Medicine) überwiegt die verhältnismäßig geringe Verletzungsgefahr bei weitem.

Wenn Sie unsicher sind beim trainieren, dann fragen Sie Ihre Trainerin oder Ihren Trainer.

Viel Spass beim Training.

 

(1)bfu-Hochrechnung, Entwicklung der Anzahl Verletzter nach Sportart, 2000 – 2013, USP.T.01, 18.07.2017

(2)Previous injuries and some training characteristics predict running-related injuries in recreational runners: a prospective cohort study, J Physiotherapie 2013, Hespanhol Junior LC et al.

(3)Injuries and overuse syndromes in competitive and elite bodybuilding. Int J Sports Med. 2014, Siewe J et al.

(4)The nature and prevalence of injury during CrossFit training, J Strength Cond Res. 2013, Hak PT et al.

(5)Relative Safety of Weightlifting and Weight Training, J Strength Cond Res. 1994, Brain P. Hamill

(6)How do training and competition workloads relate to injury? The workload-injury aetiology model, Br J Sports Med 2017, Johann Windt, Tim J Gabbett

(7)The effectiveness of exercise interventions to prevent sports injuries: a systematic review and meta- analysis of randomised controlled trials, Br J Sports Med 2014, JB Lauersen, DM Bertelsen, LB Andersen,