Functional Training

Functional Fitness / Athletic Training

Trends, Marketingkonzepte und Wortspielereien

Functional Training, Athletic Training, Cross-Fitness und andere Begriffe werden in der Fitnessbranche und in Trainerkreisen seit einigen Jahren als Abgrenzung zu „normalem“ Kraft- und Fitnesstraining benutzt. Gesehen werden sie als Qualitätseinstufung – das bessere, sinnvollere Functional Training gegenüber dem eindimensionalen, daher minderwertigen, Krafttraining an Maschinen. Ich spreche im weiteren einfachheitshalber nur noch von Functional, man kann aber auch Athletic oder andere Begriffe einsetzen.

Je nach Autor und Marketingleiter gibt es unterschiedliche Auffassungen was funktional ist. Für den einen sind Übungen auf wackligen Unterlagen (Bretter, Kissen, Bälle) funktional, für den anderen sind es Eigengewichtsübungen oder Übungen an Schlingen die von der Decke hängen. Oder es werden dicke Seile zum Schwingen gebracht, um funktional zu sein, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Es kann aber DAS Functional Training oder DIE funktionale Übung gar nicht geben, denn es ist situationsabhängig. Ein Synonym, das es sehr einfach macht zu erkennen, ob ein Training funktional ist oder nicht ist: zweckmässig. Sie haben eine Ausgangslage / IST-Zustand und ein Ziel. Jetzt gibt es dafür ein zweckmässiges, effizientes und natürlich – eine Grundvoraussetzung für jedes Training – gesundes Training und gezielte Übungen. Eben zweckmässig.

Hier ein Beispiel und ein paar Wortspielereien. Nehmen wir an, ein Wettkampf-Bodybuilder denkt, sein Bizepsumfang ist zu klein (IST-Zustand) und er will ihn effizient vergrössern (Ziel). Dann kann er eben auf der  Armbeugemaschine seinen Bizeps sehr gezielt trainieren, was sehr zweckmässig / funktional ist. Gleichzeitig ist es Athletic Training, denn der Bodybuilder ist Athlet (griechisch für Wettkämpfer) und er bereitet sich auf einen Wettkampf vor. Also betreibt er Athletic Training. Seile herumwirbeln wäre für sein Ziel nicht sehr zweckmässig / funktional.

Oder ein Patient mit Knieproblemen kann seinen Quadrizeps auf der Kniestreckermaschiene sehr zweckmässig / funktional auftrainieren,1  und gleichzeitig oder später mehrgelenkige Übungen ausführen.

Functional Training auf labilen Unterlagen (Wackelbretter) mit dem Ziel die Kraft zu steigern ist nicht zweckmässig, weil man auf festem Untergrund höhere Kräfte entwickeln kann. 2

Es ist immer eine Frage der Ausgangslage und des Ziels. Wichtig ist, dass man möglichst viele Trainingsmethoden zur Verfügung hat und deren ganzheitliche Wirkung auf das System Mensch kennt. Denn auch wenn sie „nur“ auf Maschinen trainieren, schüttet  „das Sekretions-Organ“ Muskel über 400 Myokine3 aus, stärken sie so ihre Sehnen, Bänder und ja auch ihre Faszien.  Wie eine Übung aussieht, sagt nichts darüber aus, wie sinnvoll sie ist.4

Somit gibt es keine schlechten (unfunktionalen) und richtigen (funktionalen) Übungen. Es kommt auf die Situation an. Man darf Übungen selbstverständlich auch aus reinem Spass durchführen.

Also wenn wir dem CorpoSana Training ein Etikett anhängen, dann: zweckmässiges Training. Klingt marketingmässig nicht ganz so sexy wie Functional Training. Bringt es aber verständlich auf den Punkt.

http://www.corposana.ch/fitness-center

1 Mikkelsen, C. et al., Closed kinetic chain alone compared to combined open and closed kinetic chain exercises for quadriceps strengthening after anterior cruciate ligament reconstruction with respect to return to sports: a prospective matched follow-up study. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 2000 8(6): 337-342

2 Kohler, James M et al., Muscle Activation Patterns While Lifting Stable and Unstable Loads on Stable and Unstable Surfaces, J Strength Cond Res 2010, 24 (2) 313-321

3 Pedersen BK, Muscle as a secretory organ, Compr Physiol. 2013 Jul;3(3):1337-62

4 Mel C. Siff, Functional Training Revisited, Strength Cond J 2002 24 (5) 42-46

By | 2018-01-08T10:05:27+00:00 Januar 5th, 2018|Fitness|0 Comments

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